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CoroNews 01.04.2020

Heute nur eine kurze Einschätzung zur Entwicklung der Pandemie. Parallel wälzen sich Trolle über einen anderen Beitrag, wobei auf meiner Seite nur ein Bruchteil stattfindet, das hat heute sehr viel Zeit gekostet.

Es gibt viele interessante Studien und Berichte zu Herkunftswegen, Auswirkungen des Virus in Risikobereichen wie Krankenhäuser, es beginnen überall auf der Welt intensive Forschungen zur Ausbreitung, bei uns in Heinsberg, auf der Diamond Princess, Studien aus Wuhan werden nun von Wissenschaftlern zunehmend integriert, in den USA läuft sehr viel. Hat alles auch mit Daten und Verläufen zu tun, ich finde dort viel Substanz. In den kommenden Tagen vielleicht mehr, heute nur so viel: Es gibt recht valide Informationen, dass man bereits seit Mitte Januar in vielen Länder, die jetzt besonders hohe bzw. steil wachsende Opferzahlen zu beklagen haben, das Virus vermuten muss. Das ist für die Mathematik und die Modelle wichtig, weil es erlaubt, die jetzt immer reichhaltiger zustande kommenden Daten zeitlich präziser zuzuordnen.

Zu der vollkommen überflüssigen Datendiskussion bei uns hatte ich mich heute Morgen geäußert. Ganz im Gegenteil zu der immer noch chaotischen Berichtslage gewinnen die Wissenschaftler nach meinem Eindruck immer mehr Transparenz. Das ist für mich eine gute Nachricht und wir sollten nun alle auch mal sehen, dass es kein Zufall ist, wenn nahezu parallel die Bundesregierung und sogar der US-Präsident ihre Bevölkerungen um Geduld bitten.

Dafür gibt es mehrere Gründe und die sind nicht nur schlecht, im Gegenteil: Die Raten der Neuinfektionen in Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland sinken – und sie sinken schneller, als in den Tagen zuvor. In den Ländern, die sehr spät reagiert haben, ist das leider nicht so. USA, UK, NL – kein Trendwechsel in Sicht, kann auch noch nicht sein. Trump scheint das nun auch zu sehen und er hört auf die Wissenschaftler, die ohnehin seit Beginn der Pandemie viel mehr Einigkeit haben, als wir es in den Medien erleben. Dabei meine ich ausdrücklich die internationale Wissenschaft, die sich mit dieser Pandemie tatsächlich beschäftigt und ich nehme diejenigen aus, die sich dazu nur äußern. Das macht einen traurigen Unterschied.

Wir sehen immerhin, dass die Maßnahmen, so schwer sie sind und so sehr wir die Folgen zu fürchten haben, funktionieren. Ich denke, alle sind sich einig, dass es kein Dauerzustand sein darf. Dem widerspricht niemand. Es war ein Notstopp, weil Verhaltensregeln nicht ausreichten, vermutlich aber auch, weil klar war, dass durch die Rückkehrer aus den Urlaubsregionen zu viele Infektionen eingeschleppt werden. Umso dankbarer sollten wir sein, dass dieser Notstopp wenigstens Früchte trägt. Und wir sollten den Wissenschaftlern jetzt auch die Zeit geben, mehr Transparenz in die Sache zu bringen und Konzepte zu entwickeln, wie wir aus dem Notstopp wieder raus kommen. Dazu gehört es insbesondere, nicht ausgerechnet diejenigen, die für uns einen fantastischen Job machen, auch noch an den Pranger zu stellen oder mit sinnfreien Diskussionen zu verschleißen.

Leider habe ich im Unterschied zu Markus Breuer, dessen Einschätzungen ich jedem parallel empfehlen kann, noch keine wirklich guten Nachrichten zur Entwicklung der Opferzahlen. Hier ist noch kein Trendwechsel erkennbar. Das ist auch noch nicht zu erwarten, da diese Kurve bekanntlich nachläuft, jedoch nicht mit einer so klaren Zeitspanne. Aus der jetzt verkündeten Verlängerung sowie der Kommunikation des RKI ist m.E. zu schließen, dass man sich noch nicht sicher sein kann, ob die Infektion nach der Rückkehr der Urlauber in Risikogruppen eingedrungen ist. Offensichtlich hat es vor allem in Italien große Probleme gegeben, Seniorenheime und Krankenhäuser abzuschirmen, weshalb es dort zu schrecklichen Ausbrüchen kam. Bei uns ist das in einigen Fällen auch passiert, wir sollten hoffen, dass die Arbeit der Leute vom RKI dazu beiträgt, das besser zu verhindern.

Es bleibt daher bei der Einschätzung, dass wir erst in den kommenden Wochen bei den Krankenhäusern sehen werden, ob wir in Deutschland das schlimmste – nämlich einen Kollaps der medizinischen Versorgung – verhindern können. In den USA und nach ersten Berichten in UK kann das leider kaum mehr gelingen.

Für uns gilt aber: Danach wird es besser, so wie jetzt in Italien, wo alle Kurven sinken. Und dann wird es auch möglich sein, neue Wege zu gehen.

 

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