dirk specht beitragscover

Endlich ist sein Crash da – oder auch nicht

Mir war klar, dass der Friedrich jetzt auch noch seine Plattformen bekommt. Ihn als Wodarg der Finanzen zu bezeichnen, hieße, ihn zu loben.

Und wieder ist es der Spiegel, der in die Keramikschüssel mit dem teuren Papier daneben greift. Ein investigatives Medium in der mentalen Selbstauflösung. Nicht falsch verstehen: Ich habe keine Freude dabei, es tut weh.

Das ist nun sogar unter den Fachbereichen der Ökonomie, mit denen ich zu tun habe, mein spezielles Spezialgebiet. Es ist ein Jammer, dass ich keine Zeit habe, darüber zu schreiben. Die Friedrichs, Müllers, Kralls, Ottes, Silberjungen und wie sie alle heißen, sie steigen jetzt natürlich aus der Kiste und schütten uns mit ihren „ich habe es ja schon immer gesagt“ Weisheiten ungefragt zu. Als ob uns nicht schon genug Propheten täglich beschallen.

Leider wirklich nur kurz: Diese Krise hat keiner von denen gesehen. Das behauptet auch niemand, aber sie alle sehen Covid-19 nur als Auslöser für das, was sie immer gesagt haben. Schon daran stimmt nichts, denn sie alle haben eine Finanzkrise als Auslöser prognostiziert. Daraus haben sie dann ein Sammelsurium an wilden Folgen und weiteren kausalen Abläufen abgeleitet, die alle unbegründeter Thesensalat sind. Das sind so 1929er Fantasien, die sowohl unser heutiges Geldsystem als auch unsere ökonomischen Strukturen komplett übersehen.

Ich kann nur kurz sagen: Alle diese „Bestsellerautoren“ beginnen ihre wilden Thesenreihen gemeinsam mit der Feststellung, die Notenbanken hätten schon 2008 ihr Pulver verschossen und beim nächsten Crash werde daher der Zusammenbruch aller möglichen Systeme in rascher Folge zwingend kommen. Wir erleben gerade das Gegenteil, die Notenbanken haben ihr Pulver keineswegs verschossen und das Geldsystem ist momentan auch gar nicht unser Thema. Das kann sich ändern, aber auch dann sind es gänzlich andere Mechanismen als die hier beschriebenen und auch die Folgen werden aller Wahrscheinlichkeit vollkommen anders aussehen.

Damit will ich nicht behaupten, ich wüsste es besser. Denn ein Grund, weshalb meine Ideen für Bücher zu dem Thema nur Kassengift wären: Niemand weiß das, man kann nur die existierenden Mechanismen und mögliche Szenarien bewerten, also zu Wahrscheinlichkeitskorridoren kommen. Was ich aber recht gut einschätzen kann: Die Szenarien dieser Autoren gehören zu den unwahrscheinlichsten überhaupt.

Man sollte sich diesen Mist nicht auch noch antun, mehr geht dazu heute nicht, sorry.

https://www.spiegel.de/wirtschaft/coronavirus-peter-bofinger-und-marc-friedrich-streiten-ueber-die-krise-a-368c041f-8734-4e6e-9d0f-11e09c552fe9?fbclid=IwAR28oX0TxjVrH212C0IqeUCHgoUI6CWpqtSTGgwtlVF1k4nmwssKxarPmXo

 

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