dirk specht beitragscover

Armin Laschet rief an

Lachen hilft: Heute zwecks Eigenhygiene das Format der Satire. Unter dem Text ernsthaftes Lesefutter wie immer, aber manchmal hilft das Lächerliche gegen das Unerträgliche. Vielleicht nicht nur mir?

Herr Laschet rief an, hier das Gedächtnisprotokoll, aber nur unter uns, weil: Vertraulich.

Specht, guten Tag.

Hier Laschet, guten Tag Herr Specht. Ich muss gleich mit der Tür ins Haus, sie wurden mir als Spezialist für so komplizierte Rechnereien empfohlen, ich brauche Hilfe.

Welch Ehre, was kann ich tun.

Ich muss etwas ausholen, wenn´s recht ist? Das fing letztes Jahr an, da dachte ich, ich könnte vielleicht auch mal Kanzler. Also hab´ ich so eine PR-Agentur beauftragt, mit dem Jens verabredet, dass er nach mir auch mal Kanzlern darf und dem Christian hab´ ich versprochen, dass er jeden Tag an meinem Stuhl kratzen darf. So geht das nämlich, wenn man das strategisch angeht. Verstehen sie?

Kommt mir bekannt vor, aber was soll ich da rechnen?

Naja, da kam uns halt diese blöde neue Grippe ins Gehege und seitdem muss ich ihnen sagen, ist das mit dem vorab kanzlern schon so anstrengend geworden. Dabei hatte die Annegret sich gerade an diesem neuen Zeugs, diesem Internetkram verhoben und meine Agentur, die ist da ganz vorne sage ich Ihnen. So eine Chance und dann kommt die Grippe. Dabei sage ich schon seit Jahren, dass man in der Jahreszeit was für´s Gemüt tun muss, unser Karneval ist gut für die Menschen. Aber dieses Jahr kamen sie mir mit Bergamo? Was weiß ich schon über Bergamo. Und Ischgl haben sie mir erzählt? Ja soll ich denn in Köln das Skifahren regeln, so ein Quatsch. Hab´ mich dann auch durchgesetzt, war klasse in Köln. Bekomme ich dafür Lob? Nee, jetzt jammern die mir Ohren voll über Gangelt. Wo Bergamo liegt, weiß ich wenigstens, aber Gangelt – Herrschaftszeiten, ich kann mich doch nicht um alles kümmern, ich muss endlich groß denken, sonst kann ich nie kanzlern.

Herr Laschet, sie wollten was berechnen?

Jaja, wie gesagt, ich muss etwas ausholen, sonst verstehen Sie mich auch nicht – wie sonst schon kaum einer. Also die Jungs von meiner Agentur die messen da so neues Zeugs, in diesem Social Dings, da, wo die Leute so Katzenfotos teilen oder ihren Freunden erzählen, wo sie gerade eine Currywurst essen. Ich muss Ihnen sagen, fand das immer irgendwie komisch, aber die Jungs von der Agentur haben mir erklärt, dass damit sogar so einer wie der Trump Präsident geworden wäre und das sei für mich genau passend. Fand ich schon nett, wie die das erzählt haben und so teuer klang das auch nicht, weil die hauptsächlich mit Computern arbeiten und Sediment-Analysen machen.

Sentiment, Herr Laschet, Sentiment. Stimmungsanalysen in Sozialen Medien.

Ja genau, so heißt das Zeug. Lief richtig gut an. Da macht so ein Mädel aus der Agentur mit meinem Handy rum, chattet mit ganzen Tag ..

Smartphone Herr Laschet, sie meinen vermutlich Twitter, das funktioniert etwas anders als chatten.

Ach, wenn man kanzlern will, muss man so was delegieren können. Aber sie haben vermutlich Recht, die Annegret hat sich daran ja die Finger gebrochen, aber mein Mädel ist klasse. Keine Ahnung, wie sie das macht, schreibt immer was von Meinungsfreiheit und alles ist so schön bunt, diese Sediment-Abteilung von der PR liefert ihr die richtigen Texte und ich muss mich nur noch mit dem Christian bei der Will und dem Lanz einladen. Vorher machen der Christian und ich immer eine Runde mit der Verteilung von so Statements aus der Sediment-Analyse und dann noch Facesitting vor dem Auftritt.

Facesetting Herr Laschet, Stärkung des Bindegewebes, damit man gesund aussieht, ihre PR-Agentur ist wirklich gut.

Ach ja, richtig, klappt wirklich gut. Meine Frau sagt auch immer, im Fernsehen würde ich viel besser rüberkommen als zuhause. Da bin ich jetzt sehr oft übrigens und das ist gar nicht so einfach. Sagt meine Frau auch und wird mir von den Kollegen im Kabinett bestätigt – wir wollen doch alle wieder raus, aber die Angela sagt uns dauernd, dass sei nicht so gut. Dem bin ich anfangs auch gefolgt, weil die Sedimente dafür sprachen.

Seit dieser blöden Grippe ist alles so ernst und wichtig, die Agentur hat uns deshalb so eine Mental-Tante zur Seite gestellt, die macht mit Christian und mir so aufbauende Sachen, ihm erzählt sie immer was vom Napoleon und mir vom Churchill – fühlt sich einfach nur gut an. Vor allem vor der ersten Rede gleich nach Karneval, Leben und Tod und so – nie war ich Churchill so nah und dann dachte ich mir, vielleicht doch nicht schlecht, so ne Grippe. Der Markus aus München hat das aber auch gerochen, der war dann schneller. Hatte zwar was mit Ischgl zu tun, hat man mir erklärt. Hanebüchen, was man mir alles erzählen will, aber diese neuen Quoten, dieses Clickzeugs, das passte schon.

Herr Laschet, ich glaube, ihre Agentur rechnet alles sehr gut, sie brauchen mich nicht.

Nein, nein, warten Sie mal, das wird ganz schlimm, weil die Agentur, die hat dann nach einer Woche gemerkt, dass sich die Stimmung dreht. Und ich hab´s ja bei meiner Frau auch gemerkt. Können Sie sich das vorstellen, nach einer Woche alles ganz anders. Der Christian und ich, wir konnten es nicht glauben und da hat die Agentur uns in so ein Schrumpelseminar geschickt, wir müssten agiler werden, hieß es.

Scrum, Herr Laschet, agiles Management, meine Achtung vor Ihrer Agentur wächst.

Jaja, die Agentur macht das schon gut. Aber das ist gar nicht der Punkt, es ist doch viel schwerer, weil wir das ganze Ding auf einmal drehen sollten. Die haben mir auch gesagt, dass sei die Chance gegen den Markus, weil der so viele aus Ischgl bei sich zuhause habe und daher gar nicht anders könne. Deshalb haben wir zuerst mal so einen Professor gesucht, der mal ein bisschen Klinken putzt in Gangelt, um zu sehen, ob da noch Grippe drauf ist. Der sah gut aus, fescher Typ, Facesitting braucht der nicht, war total motiviert und den konnten wir ganz alleine zum Lanz lassen – Churchill hat ja auch nicht alles alleine hinbekommen, wissen sie?

Ging schon sehr gut und meine Agentur hat das toll zugeteilt: Der Professor zum Einkaufen, der Christian über´s Wirtschaften und ich soll zu Schulen und Kitas reden, weil da emotional und menschlich am meisten zu holen ist. Ich hab´ das ja nie verstanden, weshalb so Kinderkram immer wahlentscheidend ist, meine Frau hat mir das echt gut aus dem Weg geräumt. So als Churchill hätte mir der Krieg besser gestanden, aber da war mein zukünftiger Amtskollege aus Paris auch schon wieder schneller. Man muss seinen Ups finden, sagt die Agentur immer.

USP, Herr Laschet, in dem Kontext übersetzt so etwas wie Einzigartigkeit. Wirklich, ihre Agentur ist super, sie brauchen mich nicht.

Es geht doch gar nicht um die Agentur. Die ist wirklich toll, wir haben das alles super hinbekommen, die Zahlen laufen! Das mit dem Professor war dann schräg, aber den bin ich schnell los geworden. Der muss jetzt irgend so ein Papier mal schreiben, aber ich habe gehört, das brauche man gar nicht mehr. Bin ich froh. Die Aufteilung ist wichtig, man muss Themen mit Personen besetzen. Wissen wird in der Politik gar nicht unterschätzt, Herr Specht, das ist ein dummes Gerücht, nein überhaupt nicht, so ab Staatssekretär im Landesministerium wissen wir alle, wie gefährlich Wissen sein kann. Die Themen liefert die Agentur aus dem Sediment, das ist die Innovation in der Politik, der Rest ist bekannt, das kriegen wir hin. Ich rede immer vergnügt von Kitas, das menschelt mehr und der Christian kümmert sich um die Urlaubsreisen. Kommt alles aus der Agentur, läuft.

Herr Laschet, ihre Agentur ist modern, die liefert schnell die Bälle und sie wissen wie man die spielt – ist doch alles bestens.

Dachte ich auch, aber gestern ist was wirklich komisches passiert. Da hat mich der Karl Josef angerufen, der macht bei mir das mit der Gesundheit. Dessen Frau hat nämlich rumgeheult, hat was von nem CT-Bild erzählt. Der Karl Josef, der wunderte sich zuerst, warum seine Frau jetzt Computer-Zeitungen liest, aber dann kam die mit so einem Röntgen-Bild daher, das hatte sie von einer Freundin und die hatte es aus Spanien – war von nem 5-jährigen. Ich kann ihnen sagen, Herr Specht, Bergamo, Ischgl, jetzt Bilder aus Spanien, aber man muss ja seinen Mitarbeitern auch mal zuhören, solange das mit dem kanzlern noch nichts ist.

Herr Laschet, wirklich, ich halte das mit dem CT für keine so schlechte Idee, aber was soll ich da rechnen?

Kommt gleich, ging dann nämlich schnell, weil der Franz Josef, der meinte, das mit den Kitas könnte Haftungsfragen mit sich bringen. Ich hab ihn dann gefragt, warum er sich nicht mit Gesundheitsfragen beschäftigt, aber der hat einfach nicht locker gelassen, meinte, das würde ganz schnell bei ihm landen und das wolle er vorher schon loswerden, da könne ich nicht ausweichen. Der war schon immer so einer, der sich selbst am besten schützt, dachte daher, das Gesundheitsministerium wäre genau richtig.

Was für ein Tag gestern, da musste ich also selbst den Peter, der macht bei mir in Düsseldorf Justiz, anrufen und ihm das von dem CT erzählen. Der war total entsetzt, nicht wegen des CTs, nee, aber wie er denn an einem verlängerten Wochenende so was klären solle und überhaupt rede er selten mit seinen Leuten, die wären einfach zu kompliziert. Mit seinen 72 wäre er selbst momentan auch eher Zuhause, aber er könne gerne per Fax einen Ausschuss in Auftrag geben.

Herr Laschet, wir nähern uns zwar dem Berechenbaren, aber ehrlich gesagt braucht man dafür nicht mal einen Taschenrechner.

Ach, wie recht sie haben, wenn man von Juristen mal eine Festlegung oder eine einheitliche Meinung haben will. Dagegen sind Virologen wirklich einfach. Also hab´ ich den Franz Josef halt härter anfassen müssen und ihm gesagt, er solle der Frage selbst nachgehen. Dann ging´s aber echt Schlag auf Schlag, weil der Franz Josef, der hat da so einen Schwager von seinem Schwiegersohn oder so was und der ist Fachanwalt für Verbraucherschutz in Castrop Rauxel und der hat da neulich so was gemacht, da hat einer Waschmaschinen aus China eingeführt und die haben irgendwas mit Wollsocken angerichtet, das war echt nicht gut. Und teuer wurde das und Ärger hat´s gegeben. Fand ich dann auch schon bedenklich, was der Franz Josef mir berichtete und als er dann auch noch anfing zu stottern und meinte, ich solle zuerst mal bestätigen, dass das mit dem neuen Digitalministerium in Berlin immer noch abgemacht sei, da rückte er raus. Wissen sie, was der sagte?

Herr Laschet, Sie sind dabei mich abzuhängen.

Naja, Kacke hat der gesagt. Können Sie sich das vorstellen. Kacke. Und zwar ganz oft. Er meinte, der Plan könne vielleicht Kacke sein. Und dann stehe man da drin und habe die am Bein und so. So oft habe ich den noch nie von Kacke reden gehört. Der war auch auf den Christian echt sauer, weil das mit den Urlaubsinseln wäre vielleicht einfacher zu drehen, die sind ja eh dicht. Aber wir hätten uns ausgerechnet was ans Bein binden lassen, bei dem wir selber entscheiden können. Jetzt sei vielleicht die Kacke sogar schon am dampfen?

Heute keine Daten, morgen wieder Realität. Das war nur rein fiktionale Satire.

 

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