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CoroNews 03.05.2020

Heute mal (relativ) kurz.

Die Zahlenmeckerei in Deutschland nervt. Jetzt jagen alle das R und dabei kennt es keiner. Wie albern. Das RKI hatte mal wieder eine Datenpanne, das von ihm selbst ins Leben gerufene Chart, mit sinkendem R vor dem Lockdown ist nicht tot zu kriegen und heute wurde das R von vorgestern korrigiert. Kontrollierbarkeit sagt Herr Spahn dazu?

Als nächstes werden immer schlechtere Zahlen aus der Wirtschaft durchsickern und nicht nur den Druck auf Lockerungen erhöhen, sondern den Streit über die „Folgen“ des „überzogenen“ Lockdowns hübsch weiter führen. Was jetzt zum gegenseitigen treten einlädt wird bald zur Orgie des nachtretens. So macht man Pandemie zum ganz großen Vergnügen in einer Gesellschaft, die es sich eigentlich leisten könnte, mal Pause zu machen und das Gewitter durchziehen

zu lassen. Die Krisenkommunikation Berlin ist nicht unschuldig daran, der Chor der Länderchefs verstärkt es.

Für mich zeichnet sich ab, dass es fast schon egal ist, ob der sogenannte Lockdown gelockert wird. Die Schulen und Kitas machen Sorgen, die Kinder sollten wir aus dem schwachen subprofessoralen Gemähre raushalten, dann kann der erwachsene (?) Teil sich wahlweise so oder so verhalten. Meine These für die nächsten Monate ist, dass die geschätzte AIR (Asshole-Idiot-Ratio, Specht et al., 03/2020) von inevidenten 0,2 bis 0,3 hoch genug ist, um Covid-19 wieder ordentlich Futter zu geben, aber der Gegenindex 1-AIR wird reichen, um uns einen italienischen Sommer zu ersparen.

Wissen werden wir das jeweils erst mit einer gewissen Verzögerung, weil das Kontrollinstrument von Flugminister Spahn ziemlich mies für Überschall-Tiefflug über einem Wellenkamm ist. Da kann es dann schon mal unter den Kamm geraten und man merkt es erst, wenn der Jet sich mal wieder vollgesogen hat. Übrigens zur Suche von R, wer daran weiter Interesse hat: Der Lockdown wurde verhängt, weil das Test- und Meldewesen bereits zu einem unsystematischen Hinterhertesten verkommen war und zeitgleich ein paar Tausend Leutchen aus Ischgl&Co zurück kamen. Ich fand die Idee toll, aber man kann natürlich jetzt mal in den untauglichen Daten herumgeistern, um damit je nach eigener Befindlichkeit hü oder hott nachzuweisen. Man kann das aber auch lassen, denn: Wie viele bereits vorher Infizierte es wirklich gab und in welchem Umfang die aus Ischgl dazu kamen, wann und wie und ob und warum die in den Daten überhaupt auftauchen, wird vermutlich ewig unklar bleiben.

Nach vorne gedacht (übrigens gar nicht so blöd in einer Krise) wird mir angesichts des o.g. Instruments auch nicht wärmer ums Herz. Bezüglich Testing, Tracking, App höre ich nur subalternes Klagen mit Datenschutzargumenten aus einer zunehmend neuen Alufraktion, die man wohl grünrotschwarzgelbdunkelbraun-versifft nennen müsste. Zur besonderen Freude haben die nicht mal ganz unrecht, weil einige Falken aus einer anderen Ecke (Ermittlungsbehörden, Geheimdienste) tatsächlich bereits ihr stilles Händchen an den Datentopf legen wollten. Hoffentlich machen Google und Apple das Ding, sonst fliegt der Spahn weiter mit seiner faxgesteuerten analogen Pilotenuhr – und wir sitzen alle hinten drin, aber bitte die Kinder nicht in der ersten Reihe.

Zu den kommenden Wirtschaftsdaten anbei drei Lesestückchen von Warren Buffett, dessen Aktionärstreffen gestern lief. Man kann das sehr gut nutzen, um einem kompetenten Einblick in die Wirtschaft ein wenig zu lauschen. Die Kollegen vom Spiegel hatten wohl irgendwas an den Ohren, aber dieses Stückchen Schreib- und Berichtskunst möchte ich hier dazu “empfehlen”. Aber nur im Kontrast zu zwei Berichten aus den US-Medien, die sogar etwas mit dem zu tun haben, was Buffett gesagt hat: Ziemlicher Mist hat er gesagt, weil weltweit, weil Systemstillstand, weil für viele Bereiche KO. Fluglinien hat er alle verkauft und neu eingestiegen ist er nirgendwo, weil er sagt, die Welle durch die Wirtschaft komme erst noch. Sehe ich auch so – hat mit den Lockdowns übrigens sogar was zu tun, denn ohne diese wäre es noch viel schlimmer. Mehr dazu die Tage.

Zur Pandemie-Seite zwei Beiträge von Bill Gates, schon etwas älter, aber gerade aktuell. Er schreibt beispielsweise, wie schwierig es ist, R überhaupt zu berechnen, wie wichtig Testing und Tracking sind, wie man mit den regional sehr unterschiedlichen Ausbreitungen umzugehen hat, was so eine exponentielle Kraft bedeutet, dass man damit nicht spielen kann, mit guten Instrumenten aber zurecht kommt. Recht guter Überblick – kann es nur empfehlen.

Zu den Daten heute mal ein etwas anderes Chart, das ich normalerweise nicht gerne nehme. Es sind die täglichen Neuinfizierten und bitte beachten: Logarithmische Darstellung, in einer anderen Skala wären die Kurven unten gar nicht mehr sichtbar. Hier könnte man den Trend tatsächlich ablesen, wenn die Zahlen denn nicht überall so schlecht erhoben würden. Daher nutze ich das nicht gerne, aber wegen der aktuellen R-Diskussion sei es denn mal gezeigt.

Man sieht recht gut, dass in Ländern mit abklingender erster Welle (Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland) die Tageszahlen sinken, aber ausgeprägt langsam und immer noch auf dem Niveau über 1.000 Neuinfizierten pro Tag. Von einem exponentiellen Rückgang, der dann erfolgt, wenn die Krankheit im Griff ist, kann man m.E. nicht sprechen. Ferner sieht man, dass es in den USA, UK, Schweden immer noch eher seitwärts läuft, da wird es also keinesfalls besser werden – die Gesamtzahlen wachsen weiter stark an.

In Ländern mit „Wellenreiten“ auf niedrigem Niveau, Japan und China, sieht man, wie enorm schnell die Kurven ausschlagen, weshalb dort auch sofort mit Maßnahmen reagiert wird, die halt drastische Ausgangssperren und nicht unsere „Beschränkungen“ sind.

Dort, wo richtig hart durchgegriffen wurde, sind die Kurven schnell und klar gesunken, auf den Bereich von weniger als 10 Fällen pro Tag. Neuseeland meldet zwei, Island einen.

Man sieht m.E. sehr klar, wo Lockdowns gewirkt haben, man sieht aber auch, wie stark oder schwach es funktioniert hat und man erkennt, dass auch die absolute Zahl sowohl des Krankenstands als auch der Neuinfizierten auf ein Niveau gedrückt werden muss, das wir noch längst nicht erreicht haben.

Aber siehe oben: Die AIR wird schon dafür sorgen, dass wir mit der Suche nach R noch eine Weile zu tun haben.

 

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