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Die Impfstrategien sind sehr unterschiedlich – macht Kanada es am besten?

Die Studienlage zu den Impfungen ist eindeutig und an den Daten zunehmend abzulesen: Wir haben den Gamechanger. Zugleich sind die Impf-Strategien jedoch sehr unterschiedlich und für die noch nicht geimpften wird das Gesamtbild immer zweischneidiger: Einerseits nutzt es jedem, wenn die Inzidenzen sinken, zugleich wächst mit mehr Öffnungen für die nicht Geimpften das Risiko. Das ist vor allem dann ein gesellschaftliches Thema, wenn ganze Gruppen vorerst ausgeschlossen sind. Bei uns sind das vor allem Jüngere und weltweit bisher Kinder.
Dennoch zeigen die Kurven alle nach unten. Dabei ist zu beachten, dass Deutschland in dem Vergleich immer noch die meisten Gegenmaßnahmen benötigt, was an der geringeren Impfquote liegt.
Zugleich erkennt man die Unterschiede in den Strategien, denn insbesondere Kanada erreicht das hohe Tempo durch ein Vorziehen der Erstimpfungen. Deutschland fährt – obwohl die Studienlage andere Erkenntnisse liefert – weiterhin die Priorisierung auf möglichst rasche Doppelimpfungen. Dafür wird bei uns Wirkstoff zurück gelegt.
Dass die Situation der nicht geimpften sich erst sehr zäh auflösen wird, zeigen die verimpften Dosen pro Tag. Diese sind in einigen Ländern mit hoher Quote bereits rückläufig und das liegt nicht an der verfügbaren Menge, sondern an der Nachfrage.
Ab einer Quote von ca. 60% wird es offensichtlich zunehmend schwieriger, Impfwillige zu finden. In den USA werden daher inzwischen finanzielle Anreize und Gewinnspiele mit der Impfung verknüpft, um im Bereich des letzten Drittels der Bevölkerung weiter zu kommen.
Es ist also nicht richtig, sich nur auf die kommenden Liefermengen zu verlassen. Insbesondere in Deutschland steigen die Lieferungen pro Woche nun rasch an und wir müssen zuerst mal sehen, ob die vorhandene Logistik diese auch verarbeiten kann. In einigen Wochen ist dann aber auch bei uns der Effekt zu erwarten, dass die angebotenen Impfungen nicht mehr automatisch nachgefragt werden.
Es zeigt sich, wie zäh dieser Prozess in unseren organisatorischen und gesellschaftlichen Strukturen verläuft. Es droht daher in der Tat trotz der Impfungen auch wieder ein Trendwechsel bei den Inzidenzen, sobald die Öffnungen und der Herbst kommen. Eine vierte Welle wird sich so vermutlich nicht verhindern lassen. Sie wird kleiner sein und keine umfassenden Schließungen mehr zur Folge haben, aber ihre Opfer unter dem Radar finden – was für die Betroffenen keinen Unterschied macht.
So dürfte diese Epidemie ein weiteres Mal in der Gesellschaft Spannungen hervorrufen. Erneut ein vermeidbarer Kollateralschaden. Mit Blick auf Länder wie Indien oder Nepal – ich hatte darüber berichtet – kann man sich als Bürger der Industrieländer nur schämen: Während dort der Sauerstoff knapp wird, nähern wir uns in den Industrieländern zunehmend der Frage, welche Anreize wir setzen müssen, um den vorhandenen Impfstoff überhaupt los zu werden. Eine Überflussgesellschaft der besonderen (Ab)Art.

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