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CoroNews 17. Juli 2021

Die 14tägige Glättung in der Kombination mit der logarithmischen Skalierung ist so etwas wie der Helikopter-Blick auf Daten. Für die kurzfristige Analyse nicht geeignet, dafür werden stabile langfristige Trends sehr gut sichtbar.
Leider erkennt man nun auch aus diesem Helikopter, dass die vierte Welle begonnen hat. Die zweite ist im letzten Sommer ca. am 15. Juli erkennbar geworden, einer Zeit, in der über das Ende der Pandemie gefaselt wurde. Ebenfalls erkennbar ist, dass die zweite Welle nie wirklich beendet wurde. Sie ist vielmehr aufgrund der Durchdringung von B117/Alpha noch unter dem suboptimal funktionierenden Dauerlockdown in das übergegangen, was wir dritte Welle nennen. Begleitet von einer Diskussion, Alpha sei bei uns nicht so gefährlich, wie sonst auf der Welt.
Nun beginnt die vierte Welle ca. zehn Tage früher als die zweite im letzten Jahr. Der Umkehrpunkt aus den sinkenden Zahlen ist ca. um den 5. Juli zu setzen. Begleitet von einer Diskussion, die Pandemie sei vorbei und Delta wirke bei uns nicht so gefährlich, wie sonst auf der Welt.
Ich hatte am 26. Juni erstmals berichtet, dass Delta unaufhaltsam die vierte Welle auslösen wird. Zum Zeitpunkt war vor vier Wochen keine Aussage möglich. Meine Hoffnung lautete, dass es uns erst im August trifft. Aber die ist nun dahin, diese Welle läuft bereits, sie verdoppelt sich momentan in klar weniger als 10 Tagen (ca. 7-9) und damit sogar etwas schneller als die Anfangsphase der zweiten im letzten Sommer!
Das trifft uns nicht wie im Juni erhofft mit einer Impfquote von knapp zwei Dritteln, sondern mit einer von derzeit 45%. Das ist für Delta viel zu wenig, um eine epidemische Ausbreitung zu verhindern.
Ungeimpfte sowie Geimpfte mit Risikomerkmalen müssen also mit einer Infektion rechnen. Das gilt insbesondere für exponierte Situationen wie Kitas, Schulen, sowie Arbeitsplätze und alle Freizeitaktivitäten mit hoher Versammlungsdichte. In dieser Population werden aufgrund der Impfprioritäten nach Alter und Vorbelastung die Sterbe- und Hospitalisierungsrate geringer ausfallen. Das Hauptrisiko hier ist LongCovid. Studien dazu beziffern dieses Risiko auf 10-20% in der Gesamtpopulation. Diese Quote ist leider die große Unbekannte und es könnte sein, dass wir sie in einem Feldversuch auch bei uns nun genauer kennen lernen.
Denn die existierenden Impfungen dürften die Welle um etwas mehr als ein Drittel dämpfen, so dass unsere als “Goldstandard” erkorene Intensivbettenkapazität nicht mehr in Gefahr geraten sollte. Das wird noch vor der Wahl zu einer Diskussion führen, ob wir dem vollkommen unnötig angerührten vierten Misthaufen wie die Briten oder eher doch wie die meisten Kontinentaleuropäer (PT, NL, CZ) begegnen.
Die Debatte wird hässlich werden, denn die Sterbekapazitäten reichen sehr wahrscheinlich aus und angeblich wissen wir über LongCovid zu wenig, um das zu berücksichtigen. Die als Konsens einigermaßen akzeptierten Stoppsignale der bisherigen Wellen wird es also nicht mehr geben.

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