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Die Bewertungen für Afterpay&Co sind keine Spinnerei

Die typischen Medienberichte über die Bewertungen für Fintechs sind reichlich verkürzt. Nun bietet also das Fintech Square für das Fintech Afterpay 29 Milliarden – die Deutsche Bank wird an der Börse derzeit mit 26 Milliarden bewertet. Letztlich stellen die meisten Berichte die Frage, ob die Börse bzw. diese Käufer spinnen.
Die Antwort lautet: Nein. Diese Bewertungen mögen ein Irrtum sein, Spinnerei ist es nicht. Die Digitalisierung der Finanzindustrie ist in vollem Gange. Was sich hinter Afterpay oder der noch höhere bewerteten Klarna verbirgt, ist nichts anderes als die Disruption des bisher “Konsumentenkredit” genannten Geschäftsmodells.
Das sollte es eigentlich so gar nicht geben, denn es verkauft ausgerechnet finanzschwächeren Haushalten die mit Abstand teuersten Kredite. Vielleicht ändert sich das durch Klarna&Co mal, vielleicht führt es auch zu enormen Renditen dieser Plattformen, aber es wird dieses Geschäft halt fundamental ändern.
Ob das einer dieser Plattformen gelingt oder ob die ganz großen es mit Apple-Pay, Google-Pay, Ali-Pay mal tun, ist die Frage des möglichen Irrtums bei diesen Bewertungen. Aber einer oder hoffentlich mehrere werden es tun. Die Bewertung ist eine Wette darauf, einen der zukünftigen Gewinner erwischt zu haben.
Die Deutsche Bank gehört nicht dazu, deshalb werden die vollkommen rational mit den 26 Milliarden bewertet. Die etablierte Finanzindustrie schafft es einfach nicht, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln, sie schafft es nicht mal, ihre bestehenden angemessen zu digitalisieren.
So werden sie aus allem, was sich Massengeschäft nennt, bald sehr rasch durch die Klarnas bedrängt und dann verdrängt. Das ist in der Branche vielen sogar bewusst, weshalb man sich auf das institutionelle Geschäft fokussiert – mit der oft gehörten selbstbewussten Aussage, da könne kein digitales Modell jemals Fuß fassen.
Wenn die sich nicht auch da mal kräftig irren, denn auch das institutionelle Geschäft basiert letztlich überwiegend auf dem Massengeschäft. Von den Start-Ups bis zu den großen Digitalkonzernen denken viele in Dekaden und planen sehr systematisch Veränderungen, die sie mit Geduld, Strategie und inzwischen wahnsinnig viel Geld langfristig aufbauen. Auch deshalb werden die Unternehmen so hoch bewertet – sie denken und planen in Zeiträumen, die bei vielen Vorständen etablierter Unternehmen weit in deren Rentenalter reichen und daher eher Überlegungen auslösen, wie das Handicap beim Golf noch verbessert werden kann.

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