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Immer mehr Bundesanleihen in staatlichen Händen

Ich habe Privatanlegern immer empfohlen, für Sparguthaben keine Bankprodukte, sondern Anleihen zu wählen. Der Anleihemarkt war sehr liquide, man kann sich Laufzeiten nach Bedarf auswählen, bleibt aber ungebunden, weil jederzeit ein Verkauf möglich ist. Typischerweise bietet der Anleihemarkt zudem etwas höhere Renditen als die Bankprodukte bei zudem sogar höherer Sicherheit.
Mit der Finanzkrise ist die Empfehlung sogar zur Pflicht geworden, denn der Banksektor ist keinesfalls so stabil, wie es gerne dargestellt wird und ob im Falle einer Verschärfung der immer noch ungelösten Krise die Sicherungssysteme halten, ist unsicher.
Nun erleben wir aber spätestens seit der Intensivierung der Aufkaufprogramme der EZB im Rahmen der Corona-Krise, dass dieser Markt leer ist. Die Bundesbank hält im Auftrag der EZB wohl inzwischen 32% aller Bundesanleihen, die staatliche Finanzagentur hält weitere 11%, so dass der Bund letztlich 43% seiner Schulden selbst besitzt. Dabei ist jedoch eine Unmenge an Geld entstanden, denn gegen diese Anleihen hat der Bund bei der Emission ja Geld erhalten, das er in Umlauf brachte. So funktioniert eine moderne Druckerpresse – und um hier nicht in den Verdacht eines weiteren Crashpropheten zu geraten: Sie sollte mit dem rechten Maß auch genau so eingesetzt werden!
Problematisch wird es aber, wenn dadurch de facto keine Liquidität mehr im Markt herrscht. Privatanleger können die Anlage in Bundesanleihen fast vergessen, die sind über die Börsen nur zu unanständigen Aufschlägen erhältlich, was zu Negativrenditen von bis zu 0,9% führt. Institutionelle Anleger kaufen größere Pakete in direktem Handel untereinander. Dabei liegen ausländische Anleger vorn, die insbesondere Bundesanleihen gerne einsetzen, um diese als Sicherheit für ganz andere Geschäfte einzusetzen – Hedgefonds tun das beispielsweise. Oder auch große Staatsfonds für die Devisenreserven. Solche Anlegern akzeptieren den Negativzins für ihre Zwecke zwar nicht gerne, aber sie haben eine höhere Bereitschaft dafür.
Zum Problem wird das deshalb, weil neben den Privatanlegern vor allem inländische institutionelle Anleger wie Lebensversicherer oder Pensionsfonds dasselbe Problem haben. Die müssen daher immer mehr in liquidere Märkte ausweichen – das sind beispielsweise die Anleihen der südeuropäischen Staaten oder Unternehmensanleihen.
Hier wird es nun potenziell gefährlich: Die deutschen Staatsschulden haben wir bald zur Hälfte in eigener Hand, der Rest liegt bei ausländischen Investoren für ganz andere Zwecke. Unsere Altersvorsorgeeinrichtungen zwingen wir dadurch aber, ihre Anlagen im Ausland zu investieren.
Das kann kaum eine gewollte Allokation sein. So lange insbesondere im Euro-System alles gut läuft, ist das kein Problem, aber so fürchterlich lange ist Griechenland nun auch nicht her – und da mussten Allianz&Co kräftig bluten.
Die Sache mit dem Negativzins zeigt eine ganze Reihe von Folgen, die wir teilweise noch gar nicht vollständig überblicken. Es ist kein Zufall, dass die US-Notenbank FED genau dieses Experiment nicht anfassen will. Es sollte vor allem nicht dazu führen, Märkte bis zu Illiquidität auszutrocknen. Das führt zu Ausweichbewegungen, die uns nicht gefallen können.

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