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Wir müssen Omicron ernst nehmen!

Die Nachrichtenlage zu Omicron wird in vielen Kanälen leider grob fahrlässig wieder gegeben. Das Narrativ vom Erlöservirus wird von Homburg et al. so erkennbar falsch begründet, dass man bei vielen Absicht vermuten muss. Dabei ist vollkommen klar, was klar ist und was noch nicht. Das Fazit bleibt: Das müssen wir sehr ernst nehmen.
Unstrittig ist bisher, dass die Infektionszahlen sehr schnell und sehr deutlich steigen, sobald Omicron sich durchsetzt. Das ist leider weltweit zu erwarten. Ebenso unstrittig ist, dass danach auch die Hospitalisierungen steigen. Wer mit Blick auf Südafrika anderes behauptet, lügt. Dort ist die Quote der Einweisungen um 30% geringer als bei Delta. Selbst das ist aber deutlich zu wenig, um die höhere Fallzahl zu kompensieren.
Wer jetzt Argumente mit Hospitalisierungen in Europa oder gar mit Sterbefallzahlen wo auch immer liefert, lügt ebenfalls, denn diese Daten können noch gar nicht signifikant reagieren. Dafür ist es schlicht zu früh, selbst in Südafrika.
In den stark betroffenen Ländern UK und DK beginnen die Hospitalisierungen erst zu reagieren. Es ist leider unklar, wie stark das ausfallen wird. Leider besagt die erste auf größeren Felddaten basierende Studie aus Europa (https://www.imperial.ac.uk/…/covid-19/report-49-Omicron/) nichts gutes. Das muss man leider so bewerten. Hier wurden immerhin 11.000 Omicron-Fälle mit 200.000 bisherigen Verläufen verglichen. Vielleicht kann man an der Stelle mal aufhören, über diese südafrikanische Ärztin mit ihren zwei Dutzend Patienten oder weitere singuläre Fallbeschreibungen zu diskutieren?
Die ganz große und immer noch offene Frage ist, wie viele schwere Verläufe Omicron in unseren Populationen zur Folge haben wird. Das ist nicht mal in Südafrika zu bewerten, geschweige denn für uns. Die Studie aus London hat jedoch die Infektionswahrscheinlichkeiten sowie die eines symptomatischen Verlaufs untersucht. Das kann man Stand heute bereits bewerten und es sieht leider nicht gut aus. Hier die Kernaussagen übersetzt:
“Die Indikatoren für Krankenhausaufenthalte und asymptomatische Infektionen waren nicht signifikant mit der Omicron-Infektion korreliert, was darauf hindeutet, dass sich der Schweregrad im Vergleich zu Delta höchstens geringfügig verändert.”
Bezüglich der Impfstoffe wurden alle möglichen Wirkstoffe und deren Kombinationen in doppelter sowie dreifacher Applikation untersucht. Vor allem Astra sieht nicht gut aus, Biontech besser, Moderna spielt in UK kaum eine Rolle. Die Ergebnisse zum Schutz gegen symptomatische Erkrankung: “Zwischen 0 % und 20 % bei Doppelimpfung und zwischen 55 % und 80 % bei Dreifachimpfung”.
Bezüglich des Schutzes durch Vorinfektion leider wie schon aus Südafrika ein klares Ergebnis: “… war Omicron im Vergleich zu Delta mit einem 5,41 Mal höheren Reinfektionsrisiko verbunden. Dies deutet auf eine relativ geringe verbleibende Immunität nach einer früheren Infektion hin.”
Mehr als die Frage einer symptomatischen Erkrankung kann derzeit nicht untersucht werden. Die Frage der Schwere des weiteren Verlaufs muss abgewartet werden. Die Studie sagt aber leider sehr klar, dass diesbezüglich bisher keine harmloseren Verläufe durch Omicron feststellbar sind. Ferner belegt sie, dass die Doppelimpfungen einen geringen, die Booster einen guten und die Vorinfektionen keinen Schutz vor einem symptomatischen Verlauf haben.
Bisherige Studien zu den Imfpstoffen lassen hoffen, dass die Quoten für einen schweren Verlauf besser aussehen. Diese UK-Studie legt nahe, dass Omicron per se zunächst mal keinesfalls harmloser verläuft. Die Hoffnung besteht jedoch, dass die Impfungen und vielleicht auch die Vorinfektionen die Zahl schwerer Verläufe reduzieren. Das war bereits bei Delta der Fall, sonst wären unsere Gesundheitssysteme bei den hohen Delta-Wellen längst zusammen gebrochen. Nun kommt aber eine noch höhere Welle.
Die Prognose für die Gesundheitsversorgung kann daher nicht positiv ausfallen. Wir werden sehr bald sehen, wie viele schwere Fälle sich unter unseren Voraussetzungen ergeben. Die Position von Expertenrat und RKI ist jedenfalls wissenschaftlich begründet und ausreichend belegt.

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