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Der Klimabericht zeigt Licht und Schatten – sowie Wege

Der Expertenrat für Klimafragen hat seinen aktuellen Bericht vorgelegt, der voller interessanter Daten ist: https://expertenrat-klima.de/…/ERK2022…
Der Bericht kommt sehr verkürzt zusammengefasst zu dem Ergebnis, dass wir Fortschritte bei der Treibhausgasemission machen, aber die Ziele so nicht erreichen werden. In den Medien wird deshalb nicht selten von einem Scheitern der Energiepolitik der Ampel berichtet. Dazu ist nur zu sagen, dass der Bericht die Jahre 2000 bis 2020 zusammenfasst, aber man kann es natürlich mal wieder nutzen, um Kampagne zu betreiben.
Ich greife bewusst nur drei sehr hoch aggregierte Datencharts heraus, die zeigen, worum es geht und grundsätzlich auch die Hoffnung erlauben, dass es besser wird. Chart1 zeigt den Primärenergieverbrauch von 2000 bis 2020 nach Energieträgern. Man erkennt hier Licht und Schatten sowie die Folgen der bisherigen Energiepolitik: Öl ist mit leichtem Rückgang immer noch der wichtigste Energieträger, Gas wurde zum zweit wichtigsten ausgebaut und die Kohle ist immer noch so wichtig wie alle Erneuerbaren zusammen. Die Abhängigkeit von fossilen Energien, die zudem überwiegend importiert werden, ist ungebrochen, das besonders heikle Gas wird nun bekanntlich teuer und mühsam zu ersetzen sein. Wir sehen aber auch, dass der Energiebedarf leicht sinkend ist.
Einer der Gründe ist Chart2 zu entnehmen, das ist der Endenergiebedarf. Der Unterschied zwischen Primär- und Endenergie sollte uns alle viel mehr beschäftigen, als bisher, denn es ist eine große Chance für eine Energiewende, die den Namen verdient. Grob gesagt misst die Primärenergie die Energiemenge, die in einem Energieträger enthalten ist, den wir verbrauchen. Die Endenergie misst hingegen die Energiemenge, die wir davon tatsächlich nutzen. Der Unterschied ist also verlorene Energie – was insbesondere bei allen Verbrennerprozessen gewaltig ist.
Wie Chart2 zeigt, man muss das Corona-Jahr 2020 gedanklich ausschließen, ist der Endenergieverbrauch nicht gesunken, sondern seitwärts gelaufen, aber die Effizienz von Erzeugung und Verbrauch hat sich verbessert – das ist die schwarze Kurve. Kurz: Wir verlieren durch bessere Technologie nicht mehr so viel erzeugte Primärenergie. Der beste Weg, das fortzusetzen, heißt: Elektrifizierung. Elektrische Wirkungsketten von der Erzeugung bis zum Endverbrauch sind die effizientesten und je mehr wir davon auch für Wärmeprozesse oder Mobilität nutzen, desto besser werden sich diese Daten entwickeln.
Nun ist in diesen 20 Jahren die Wirtschaft trotz einiger Krisen insgesamt natürlich deutlich gewachsen und zugleich ist auch die nachgefragte Endenergie nicht gestiegen. Das ist in Chart3 zusammengefasst: Die braune Kurve zeigt das Wirtschaftswachstum, von dem sich sowohl der Energiebedarf (violett) als auch die dadurch hervorgerufenen Emissionen (grau) entkoppelt haben, was zum absoluten Rückgang der Emissionen geführt hat (schwarz).
Fazit: Durch bessere Technologien sinken die Emissionen pro erzeugter Energie und wir reduzieren systemische Energieverluste. Zugleich entkoppelt sich Wirtschaftswachstum vom Energiewachstum. Der Bericht sagt zurecht, dass dies nicht schnell genug geht, um die Ziele zu erreichen, zugleich sind das aber genau die Trends, die wir benötigen, um ohne einen radikalen Bruch mit unserer Lebensart klimaneutral zu werden.
Wir haben jeden Grund, unseren Überfluss zu zähmen, wir müssen nicht konsumieren, nur weil wir konsumieren können. Aber wir haben auch unsere technologischen Potenziale noch längst nicht ausgeschöpft und den Unterschied zwischen in Geld gemessenem Wirtschaftswachstum sowie Wachstum des Ressourcenverbrauchs darf man durchaus zur Kenntnis nehmen.
Der Bericht liefert insofern kein befriedigendes Ergebnis, das ist unstrittig, aber er zeigt Wege auf, wie es dazu kommen kann. Wir müssen sie endlich gehen.
 

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