Anfang 2024 wurde ich auf ein interdisziplinäres Buchprojekt von Holger Fuchs, Christian Groß, Marcus H.V. Lohr und Christoph Meineke zur „Wärmewende“ angesprochen und um ein Vorwort gebeten. Dem bin ich sehr gerne nachgekommen, da ich diesen Ansatz unterstützendwert finde und auch sofort wusste, was ich dazu liefern würde, es war nämlich in Fragmenten bereits lange geschrieben.
Entsprechend entstand mein Vorwort rasch, es ist nun bald zwei Jahre alt. Die Gedanken gehen sogar auf den Umgang mit der Corona-Krise zurück, als der öffentliche Umgang mit Wissenschaft endgültig kippte. Als die Autoren mich vor einigen Wochen informierten, das Werk habe nun endlich alle Prozesse des Fachverlags durchlaufen, meinte ich, das Vorwort wäre vielleicht zu aktualisieren. Daran habe niemand Bedarf, lautete die Antwort. Als ich es nochmals las, kam ich zu demselben Ergebnis, ich hätte auch heute kein Wort anders gewählt.
Ich freue mich über die Veröffentlichung, an der ich – nur zur Klarstellung – finanziell nicht beteiligt bin und wünsche den Autoren viele Leser – siehe DOI. Das Vorwort erlaube ich mir hier zu veröffentlichen.
Vorwort Anfang 2024:
Wissen ist nicht gleich Handeln. Diese Erkenntnis beschäftigt viele Geisteswissenschaften schon lange, während zugleich Naturwissenschaften dadurch geprägt sind, methodisch den nie endenden Weg zwischen Irrtum und Erkenntnis zu einem jederzeit stabilen Zustand von aktuell anerkanntem, weil funktionierendem Wissen fortzusetzen.
Insofern wissen wir, dass Wissen nur bedingt unser Handeln bestimmt, dass zugleich unser Wissen aber kein stabiler Zustand, sondern ein laufender Prozess ist, der insbesondere Diskurs mittels Zweifeln und Gegenrede erfordert, da jeder Schaffung von Wissen auch der Irrtum innewohnt.
Einerseits kommt Wissenschaft also selbst zur Erkenntnis, dass die Handlungsentscheidungen des Menschen, vom Individuum, bis zu seinen gesellschaftlichen Organisationsstrukturen, keineswegs alleine auf Wissen basieren, andererseits führen selbst verkürzt als deterministisch empfundene Wissenschaften einen laufenden „Streit“, was überhaupt als Wissen gelten kann.
Dennoch ist die wichtigste Aufgabe von Wissenschaft, Erkenntnisse für gesellschaftlich/politische Handlungsentscheidungen zu erarbeiten. Dieses Zusammenspiel kann, wie die Eingangsbemerkungen verdeutlichen, nicht einfach sein. Es wird tatsächlich mit wachsender Komplexität unserer Entscheidungen, insbesondere in zunehmend als Krise empfundenen Situationen, erkennbar immer schwieriger.
Das steht im Kontrast zu einer breiten Erwartung außerhalb der Wissenschaft, man könne Problemstellungen deterministisch analysieren, optimieren und zweifelsfrei korrekte Ergebnisse quasi beweisbar „berechnen“. Leider erleben wir in gesellschaftlich/politischen Auseinandersetzungen nicht selten sogar die Situation, dass zwei gegensätzliche Positionen eben dieses erwiesene Wissen von sich selbst behaupten. Bei genauer Bewertung ist nicht selten feststellbar, dass nicht nur eine Seite diesen behaupteten Beweis schuldig bleibt, sondern dass dies für beide gilt.
Denn: An dieser Erwartung bestimmbarer, beweisbarer, optimaler Lösungen stimmt meist nichts. Bereits bei einer geringen Komplexität in sogar deterministisch bestimmbaren Systemen ist oft das genaue Gegenteil sogar beweisbar, nämlich, dass kein Optimum existiert. Wer beispielsweise mal versucht hat, das Optimum zwischen Schokoladengenuss und Körpergewicht zu finden, sollte herausgefunden haben, dass es nicht existiert, sondern dass man zwischen zwei gegenläufigen Parametern nur über die Festlegung von Präferenzen zu Entscheidungen kommen kann.
Die meisten realen Entscheidungsprozesse, selbst in alltäglichen Fragestellungen, bewegen sich aber in Umfeldern, deren Zustand und Eigenschaften nur teilweise bekannt sind, die nicht deterministisch sind, für die allenfalls modellierte Aktions- und Reaktionsmechanismen bekannt sind, bei denen Wissenschaftler komplexe Modelle nutzen, die Annahmen benötigen, um wahrscheinliche Ergebniskorridore auszuweisen.
So werden über Annahmen Szenarien bewertet, die gar nicht den Anspruch erheben, eine vollumfängliche Analyse des realen Status quo zu leisten, sondern oft nur zum Ziel haben, klarzustellen, was passieren kann, wenn eine bestimmte Ausgangslage zustande kommt. Dabei sind die Korridore der Ergebnisse Ausdruck sowohl der Grenzen von Modellen als auch der nicht deterministischen Eigenschaften unserer realen Welt.
Was hier zum Ausdruck kommt, ist keineswegs ungewohntes und neues Terrain für die Menschheit, es ist im Gegenteil sogar Alltag. Übersetzt bedeutet das nichts anderes als die nur in Teilen und mit sensorischer Verfälschung mögliche Wahrnehmung unserer Umgebung, die Nutzung von Erfahrungswerten in als ähnlich klassifizierten Situationen, die Abschätzung von Ergebniswahrscheinlichkeiten, die dann unter Abwägung von weiteren Wahrscheinlichkeiten namens Nutzen und Risiken zur Entscheidung führen.
So entscheiden wir, eine Treppe herunterzugehen, obwohl die sogar objektivierbaren Risiken den Anlass oft nicht rechtfertigen, in Situationen mit uns nahen Menschen zu bewerten, ob ein schwieriger Wunsch gerade gut platziert ist, ob wir lieber das Portfolio für die Altersvorsorge etwas aufstocken, statt den nächsten Urlaub eine Woche länger zu gestalten – und sehr vieles mehr.
Diese Entscheidungen sind geprägt durch Chancen, Risiken, Irrtümer, Interessenkonflikte, Wahrnehmungsgrenzen, Selbstüberschätzungen und viele weitere kognitive Verzerrungen. Trotzdem treffen wir sie, oft ohne Zweifel, mit Gefühlen der Gewissheit oder Sicherheit. Das ist auch gut so, denn anders wäre der Alltag eines jeden Menschen nicht zu bewältigen.
Sobald aber komplexere gesellschaftlich/politische Entscheidungen zu treffen sind, bei denen das Wissen sowohl vom Umfang als auch der breiten Verfügbarkeit begrenzt und die Interessenkonflikte umso größer werden, wenn es insofern besonders wichtig wäre, diese alltägliche Fähigkeit im Umgang mit Wissen, dessen Grenzen, Unwägbarkeiten, groben Wahrscheinlichkeiten, mit unseren vielen kognitiven Defiziten in den Griff zu bekommen, fallen wir zurück auf den Standpunkt, wir bräuchten eben doch den unanfechtbaren Beweis des absolut Richtigen.
Die Bandbreite der Reaktionen ist dabei breit: Gelingt dieser Beweis nicht, gibt es angeblich keine Grundlage, etwas zu entscheiden, was bereits ein Irrtum ist, denn das bedeutet meist die Ablehnung einer Veränderung und ist damit sehr wohl eine Entscheidung. Gelingt vermeintlich ein Beweis, wird der je nach eigener Interessenlage unkritisch akzeptiert, oder es wird nach einem Gegenbeweis gesucht, der sich oft konstruieren lässt. Wie oft diese Auseinandersetzung mit dem Wissen passiert, dass es gar keinen Beweis geben kann, wäre eine eigene Forschungsfrage wert. Im Ergebnis wird gesellschaftlich/politisch über wissensbasierte Entscheidungen diskutiert, obwohl nichts davon auch nur näherungsweise wirklich stattfindet.
Idealerweise würde die Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse ganz anders laufen. Wissenschaft kann methodisch abgesicherte valide Erkenntnisse liefern, sie kann kausale oder zumindest sehr wahrscheinlich Zusammenhänge aufzeigen, mittels Szenarien und Modellen erwartbare Ergebniskorridore vorlegen und so einen Raum möglicher, ja notwendiger Entscheidungen aufzeigen, die nur politisch/gesellschaftlich erfolgen können.
Also eben gerade da, wo keine wissenschaftliche Optimierung mehr möglich ist, wo es darum geht, über Präferenzen zu entscheiden, Vor- und Nachteile abzuwägen, Gewolltes und nicht Gewolltes von Sachzwängen abzugrenzen, das zu liefern, was man Entscheidungsgrundlage nennt.
Diese Ebenen und mögliche Aufgabenteilung werden aber selten eingehalten. Sobald zu viele Interessen berührt sind und die daraus unvermeidliche öffentliche Aufmerksamkeit entsteht, lässt sich zunehmend erkennen, dass eine medial nicht besser werdende breite Debatte bis tief in die Kompetenzen der Wissenschaft selbst stattfindet. Dabei werden fast alle Erkenntnisse und möglichen validen wissenschaftlichen Vorgaben inkompetent und methodisch ungeeignet erneut debattiert, in Zweifel gezogen, verkürzt oder falsch dargestellt und letztlich beschädigt. Nicht selten erfolgt das absichtlich und ist zur Durchsetzung ökonomischer oder politischer Interessen auch erfolgreich.
Bei sehr langwierigen und aufwendigen Prozessen, insbesondere solchen, die als unangenehme, nachteilige oder gar gefährliche Veränderungen wahrgenommen werden, kann dieses komplexe Zusammenspiel von Wissen und Handeln, von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik sehr gut beobachtet werden.
So wird letztlich bereits seit der Industrialisierung die Frage gestellt, ob der Mensch dadurch neben einer dramatischen Skalierung seiner Arbeitsteiligkeit unter exponentiell wachsenden technologischen Möglichkeiten zugleich die Ressourcen seiner natürlichen Umgebung überdehnt, sei es durch die Exploration und irreversible Transformation endlicher Stoffe oder durch die Erzeugung von schädlichen Abfällen und Emissionen.
Diese Debatte über unendliches Wachstum im endlichen Raum hat erstaunliche Züge angenommen. Denn zunächst ist die Antwort auf die Frage unstrittig eine Tautologie, über die nicht weiter zu streiten wäre: Geht nicht, kann nicht gehen. Trotzdem gibt es unverändert die genannten Effekte, und das beginnt beim Wissen selbst. So haben viele Wissenschaftler bereits früh diese Problematik mit konkreten Prognosen hinterlegt, wann welche Folgen eintreten werden.
Das war vor allem bei früheren Arbeiten mit wenig Daten und erst beginnenden Erkenntnissen sowie maschinellen Möglichkeiten für komplexere Modelle nur begrenzt möglich. Man mag kritisieren, dass es teilweise vielleicht vermessen oder auch methodisch bezüglich der Unsicherheiten nicht ausreichend dokumentiert wurde. Konsequenz waren oft Prognosen, die nicht eintraten, wobei auch hier erwähnt sei, dass diese oft gar nicht den Anspruch hatten, die „Zukunft“ zu „berechnen“, sondern Ergebnisräume aufzuzeigen und Systemverhalten zu erkennen.
Bis heute werden solche Erkenntnisse und die daraus entstandenen Folgedisziplinen wegen „falscher Berechnungen“ diskreditiert und damit als „Unwissen“ komplett abgelehnt. Insbesondere datenbasierte mathematische Modellbildung, gar der Einsatz von KI, gilt für viele ganz grundsätzlich als „Spekulation“. Das ist in letzter Konsequenz eine Problemverweigerung, denn es sollte Konsens sein, dass man bei insbesondere sehr wirkmächtigen und langfristigen Entwicklungen nicht abwarten kann, bis man die Ergebnisse evident vorliegen hat. Hier schlägt leider auch die kognitive Verzerrung zu, dass wir Dinge mit kurzfristiger Bedeutung denen der langen Frist gegenüber höher gewichten.
Aus so einer Melange von angeblichem Unwissen und dem höheren Interesse für kurzfristig relevante Themen wird schnell eine Bereitschaft, alles besser mal abzuwarten, bis man es genauer „weiß“. Da hilft es auch nicht, wenn eben jene Modelle nonlineares, oft exponentielles Systemverhalten nachweisen und damit deutlich machen, dass Abwarten keine geeignete Strategie ist, dass im Gegenteil jede Strecke des Abwartens und der vermeintlichen Ersparnis von Aufwand ein Vielfaches an Kosten verursachen wird.
Eine weitere Ausweichreaktion in der Wachstumsdebatte ist die Herausnahme von Einzelproblemen aus der systemischen Ebene. So kann man sehr oft nachweisen, dass auf Knappheiten bei Rohstoffen erfolgreich durch Substitution reagiert wurde, dass es singuläre Probleme mit Emissionen oder Abfällen gibt, die mindestens regional gelöst wurden. An der systemischen Wachstumsproblematik ändert das natürlich gar nichts, Substitute bleiben endlich, das eine Emissionsproblem wird durch das nächste abgelöst.
Fast schon bizarr sind definitorische Manöver, die beispielsweise darauf verweisen, dass der ökonomische Begriff des Wachstums, insbesondere des in Geld gemessenen, keiner Grenze unterliege. Das ist unstrittig richtig, sollte aber nicht von dem Ziel ablenken, ökonomisches Wachstum von Ressourcenwachstum zu entkoppeln. Das scheint sogar regional zu gelingen, jedoch bevorzugt in den Regionen mit ganz erheblichem Ressourcenverbrauch der Vergangenheit, global gelingt es bisher nicht.
Eine technisch hervorragende Option, diese Entkopplung zu erreichen, ist die Effizienzsteigerung beim Einsatz von Ressourcen. Dabei kommt der Energieversorgung eine besondere, vermutlich sogar entscheidende Bedeutung zu, denn es gibt vom Recycling „verbrauchter“ Ressourcen, über die Transformation von Emissionen und Abfällen bis zur synthetischen Herstellung notwendiger Stoffe viele technologische Lösungen, die letztlich so etwas wie eine Kreislaufwirtschaft ermöglichen könnten – die aber alle Energie benötigen.
Im derzeitigen gesellschaftlichen Fokus steht daher zu Recht, wenngleich für viele eher aus ökonomischer Motivation, die Transformation der Energieversorgung, die sogenannte „Energiewende“, ein Begriff mehr, der oft benutzt wird und zugleich schwach definiert ist. Die enorme Aufmerksamkeit ist gut erklärbar durch die damit verbundenen besonders fundamentalen und großen Interessen. Denn: Tatsächlich geht es um weit mehr als die Energieversorgung, deren Bedeutung bereits groß genug ist. Da deren Transformation in der Stromerzeugung die wesentliche Ausgangsform der zukünftigen Energie zum Ziel hat, ist die natürliche Folge eine weitreichende Elektrifizierung von Anwendungen aller Art. Dabei wird sich, nationale Debatten und Befindlichkeiten werden das nicht ändern, die signifikant höhere Effizienz elektrischer Anwendungen durchsetzen, während ineffiziente Umwege über synthetische Kraftstoffe ökonomisch nur wettbewerbsfähig sein dürften, wo der Einsatz von Kraftstoffen nicht substituierbar ist.
Die Rede ist also von einer umfassenden Transformation sowohl der Energieversorgung als auch die vermutlich insbesondere ökonomisch noch viel weitreichendere Transformation unserer industriellen Prozesse bis zu deren Endprodukten. Das ist nach der Digitalisierung seit der Industrialisierung der wohl wirkmächtigste Transformationsprozess. Für Länder mit hohem Industrieanteil in der Ökonomie ist es vermutlich von größerer Bedeutung als die Digitalisierung oder auch die Entdeckung von Öl als wesentlicher Energieträger.
Während in der Öffentlichkeit gerne primär von „Klimapolitik“ die Rede ist, geht es also tatsächlich um die Transformation großer Teile der Ökonomie mit weitreichenden Folgen für existierende Unternehmen und Geschäftsmodelle, weit über die Energieerzeugung und Energiebranche hinaus. Daher ist es nicht überraschend, dass die ohnehin bestehende Kontroverse zwischen außerhalb von Randgruppen unstrittiger Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen und deren Kosten neue Höhepunkte erreicht und weiter erreichen wird. Das wird noch nicht absehbare Spannungen in und zwischen den Gesellschaften erzeugen, denn einerseits wird immer deutlicher, dass der Klimaschutz in der menschlichen Gesamtbilanz keineswegs etwas „kostet“, sondern allenfalls noch in der Lage ist, Schäden zu mindern. Zugleich ist er in der individuellen Bilanz aufgrund der vielen betroffenen Geschäftsmodelle und ökonomischen Einzelinteressen weit über die Energiebranche selbst eben doch „teuer“.
In diesem Kontext ist für die „Wärmewende“ eine bisher ernüchternde Bilanz festzustellen, die sich nur aus dieser signifikanten und vielfältigen Komplexität der Gesamttransformation mit den vielen Interessenkonflikten erklären lässt. Denn der Wärmesektor ist vom Volumen der größte Energieverbraucher, der zudem einen besonders hohen Anteil fossiler Kraftstoffe benötigt, die zugleich besonders einfach und effizient substituierbar sind. Nicht unerwähnt sollten die im Wärmesektor sehr gute Flexibilisierung des Energiebezugs sowie die Energiespeicherung sein, die für die Herausforderung der mit erneuerbaren Energien steigenden Erzeugungsvolatilität sehr wertvolle Lösungsoptionen bieten kann.
Nicht unerwähnt darf die Tatsache verbleiben, dass bereits vor dem Ukraine-Krieg eine eklatante Krise bezüglich der Versorgung Europas mit Erdgas eintrat, die eine Preiseskalation zur Folge hatte und nun in einer sowohl preislich als auch versorgungstechnisch zumindest volatileren Situation resultiert.
Was wir also an Wissen haben, lässt eigentlich keine Zweifel und auch kein Zögern beim Handlungsbedarf zu: Wir haben sowohl für den Klimaschutz als auch aus ökonomischen Gründen das größte Einsparpotenzial mit den einfachsten technischen Optionen zur Umsetzung. Wir haben zugleich eine geopolitisch schwierige Krise, die Erdgas zur kritischen Größe werden lässt, einen für industrielle Zwecke teilweise essentiellen Rohstoff und im Hochtemperaturbereich nicht leicht substituierbaren Brennstoff, der parallel aber in sträflich großen Mengen für simple Wärmeprozesse ineffizient verbrannt wird.
Die tatsächliche politisch/gesellschaftliche Reaktion darauf ist aber keineswegs ein großer Ruck und eine gemeinsame Anstrengung, diese Wärmewende zu priorisieren und mit Hochdruck die überflüssige, ja fast schon schmerzhafte Verschwendung insbesondere von Erdgas so schnell wie möglich abzustellen. Vielmehr wird ausgerechnet die Wärmewende in der öffentlichen Debatte so stark beschädigt, dass im Folgejahr des Höhepunkts der Gaskrise sogar neue Erdgasheizungen auf Rekordniveau installiert werden.
Die eingangs formulierte Feststellung, dass Wissen nicht gleich Handeln ist, könnte keinen klareren Beleg finden. Das vorliegende Werk ist also offensichtlich aktuell, relevant und notwendig. Ebenso ist das schwierige Konzept, dem die Autoren sich stellen, von großer Bedeutung: der interdisziplinäre Ansatz. Es ist mehr als offensichtlich, dass es verschiedener Perspektiven und Disziplinen bedarf, um dieser Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln zu begegnen.




