Kleiner Hinweis an die Ökonomen und deren Stammtischbrüder, die das Kirmeslied vom „freien Markt“, der „technologieoffen“ dem „mündigen Verbraucher“ die Wahl des besten Produkts bietet, das sich dann natürlich auch durchsetzt, weshalb man da nichts zu regulieren hat, so gerne täglich singen.
[Absichtlicher Schachterlsatz, habe m.E. nichts vergessen?]
Die Realität, schon immer: Früher Richtlinie 70/156/EWG, dann Rahmenverordnung 2007/46/EG, später Verordnung (EU) 2018/858. Ein moderner Pkw muss heute die Konformität mit etwa 70 bis 100 EU-Rechtsakten nachweisen. Konsequenz: Ein modernes Fahrzeug ist heute mit über 30.000 regulatorischen Anforderungen konfrontiert.
KEIN EU-Thema: Die EU verweist auf die Regelungen der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE). Derzeit über 160 UN-Regelungen für Kraftfahrzeuge, die 10.000e Einzelvorschriften umfassen.
USA: Anders, aber nicht weniger! Prinzip der Eigenverantwortung (Self-Certification), basiert auf den FMVSS (Federal Motor Vehicle Safety Standards). Hersteller zertifiziert selbst, dass das Auto die Regeln einhält, Behörde (NHTSA) prüft im Nachhinein durch Stichproben oder bei Unfällen. Kann dann bekanntlich SEHR teuer werden. Technologie-Fokus: Die USA sind bei passiver Sicherheit (Crash-Tests) extrem streng, bei aktiven Assistenzsystemen liberaler als die EU. Da die USA kein Mitglied des 1958er UN-Abkommens sind, weichen technische Details (z. B. Scheinwerfer-Lichtverteilung oder die Form der Außenspiegel) von EU-Standards ab. Ein „Weltauto“ zu bauen, erfordert daher für die USA schon immer separate Bauteile.
China: Bis 2004 die EU-Vorgaben übernommen (sic!). Seitdem stärkste Zahl neuer Vorschriften weltweit, Regulierungsweltmeister (sic!!). China nutzt die GB-Standards (Guobiao), anfangs 1:1 UN-ECE-Regeln. Seit etwa 5–10 Jahren eigene Standards, besonders in Bereichen E-Mobilität, Konnektivität, Digitalisierung (sic!!!)
Ferner NEV-Quote: Während die EU über CO2-Flottenziele steuert, nutzt China ein Punktesystem für „New Energy Vehicles“ (NEV). Hersteller müssen eine bestimmte Menge an E-Autos verkaufen, sonst müssen sie teure Punkte von Wettbewerbern kaufen.
Fazit: Das Auto war schon immer und überall ein hoch reguliertes Produkt. Das meiste davon ist NULL „technologieoffen“, sondern ganz bewusste Technologieregulierung. Das gilt sogar ganz besonders für den Verbrenner. Die Strategien sind aber unterschiedlich, momentan setzen Amerikaner die autonomen Flotten, China die E-Mobilität durch.
Das ist seit mindestens zehn Jahren erkennbar und die europäische Industrie hat darauf NULL reagiert. Es ist nicht die EU, sondern die Industrie – die hat von diesen 30.000 Vorschriften fast alles selbst geschrieben.
Der „mündige Verbraucher“ hat das gekauft, was die Industrie wollte. Die hat aber übersehen, dass die führende Märkte des Planeten mit deren „mündigen Verbrauchern“ anderes vor hatten.
Nennt sich Globalisierung, eine Form der Marktwirtschaft, die kein Kirmeslied ist.




