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Polen baut ein Kernkraftwerk und die verstrahlten Berichte verschweigen die „Details“

Die polnische Regierung hat von der EU eine Genehmigung der staatlichen Subventionen für ein Kernkraftwerk erhalten und will dieses nun beauftragen. Die daraus folgenden Meldungen von erneuten Durchbrüchen bis zu deutschen Alleingängen waren vorher schon geschrieben. Wirklich informativ ist davon nichts, die meisten Autoren erlauben sich sogar die Peinlichkeit, gar keine Daten oder Fakten dazu zu liefern. Ich hole das gerne nach:

– Genehmigt wurde die direkte Kapitalzuführung des polnischen Staates in Höhe von 14 Mrd. Euro in die staatliche Projektgesellschaft. Damit ist die Finanzierung der Eigenkapitalseite gesichert und die Bauvorbereitungen können beginnen.
– Auftragnehmer ist Westinghouse (USA), Baubeginn wäre 2028, geplante Inbetriebnahme 2036.
– Geplante Finanzierung ca. 45 Mrd., 30% aus dem gerade genehmigte Eigenkapital, 70% über staatliche US-Bank „Exim“ sowie Konsortium.
– 100% Garantie der Gesamtfinanzierung durch den polnischen Staat.
– Für den Betrieb staatlich garantierter Mindestpreis von ca. 12 Cent pro KWh für 40 Jahre.
– Versicherungspflichten, Haftung, Entsorgung leistet der Staat.
– Risiken von Kosten- und Planabweichungen trägt ebenfalls der Staat, inklusive Absicherung der privaten Finanzgeber.
– Das sind also Doppelsubventionen vom Bau bis zum Betrieb plus komplette staatliche Absicherung aller Risiken. Westinghouse bekommt sein Geld, die Banken ihre Zinsen. Finanziert wird das über einen hohen Strompreis sowie den Steuerzahler. Deren Schlussrechnung kennt man, wenn das Projekt dann mal fertig ist.

Ich finde es unredlich, diese Daten nicht zu nennen und verlogen, wenn dieselben Autoren an dieser oder anderer Stelle von Marktwirtschaft reden oder Planwirtschaft sowie Subventionen geißeln. Wie jedes AKW ist auch dieses kein privates, sondern ein vollständig staatliches Projekt und es ist teuer. Das ist keine Meinungsäußerung, auch zu den Autoren nicht.

In der Planung des polnischen Staats soll das AKW irgendwann ca. 12% des Stroms erzeugen. Unabhängige Analysen gehen davon aus, dass Polen mehr Strom braucht, mehr elektrifizieren sollte, die Kohle schneller zu teuer wird und die Preisvorteile von PV- und Windstrom sich am Markt durchsetzen werden. Dann wird das AKW vielleicht 8% liefern. Netzspeicher spielen in den Planungen keine Rolle.

Zu teuer bleibt es. Rein staatlich auch. Mich würden endlich mal Begründungen interessieren, warum Deutschland dieses planwirtschaftliche Risiko eingehen sollte?

Dass Polen hier den Fuß in Kerntechnologie setzen möchte und die USA das hinterlegen, mag eine Erklärung sein. Gilt die auch für uns? Kann man das mal ehrlich diskutieren, statt die Öffentlichkeit von Versorgungssicherheit bis zu günstigen Strompreisen oder Wettbewerbsvorteilen für unsere Industrie glatt und vollumfänglich zu belügen?

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