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Ein kleiner Morgengruß an die Fraktion der Sparschweinchen und der „wir müssen mehr arbeiten“-Wirtschaftstheoretiker.

Das WSJ (Links anbei) entdeckt die chinesische Elektrifizierungsstrategie. Wenn die das tun, ist das vorsichtig formuliert kein Frühindikator. Sehr schön wird herausgearbeitet, wie dynamisch China seinen Stromsektor ausbaut und – das ist wirklich für alle Physiker und Ökonomen in den Sozialen Medien harte Kost – dafür auch das größte Stromnetz der Erde hochzieht. Dort liefern PV-Farmen – übrigens, Handwerkermangel, mittels Spezialrobotern errichtet – von der Wüste Gobi über mehrere 1.000km mit den modernsten Übertragungsnetzen TWh in die Industriezentren an der Küste.
Die nationalen Ökonomietheoreme in dem Zusammenhang lauten, Netze seien teuer, man muss sich zuerst mal um die Dunkelflaute kümmern und die Gasnetze bewirtschaften, das mit dem weiteren Ausbau muss man unbedingt den vorhandenen Netzinfrastrukturen unterordnen. Zu viel Strom ist sowieso gar nicht gut und das mit dem E-Zeugs rechnet sich alles nicht. KI regulieren wir zuerst mal und dann sehen wir, was damit anzufangen ist, bloß keine Blase und zu hohe Investments gehen gar nicht.

Derweil bemerkt das WSJ, dass die Firmenübernahmen jenseits der 10 Milliarden, also die größeren Transaktionen, wieder ein Volumen über 1 Billion erreicht haben. Ferner werden die jetzt wieder ganz überwiegend kreditfinanziert. Parallel bauen die Amerikaner bekanntlich so viele Datacenter, wie man irgendwie beauftragen kann, Preis egal. Die Investments sind auf dem fünffachen Level. Dabei wird übersehen, dass seit Ende 2023 die Investments in Fabriken jeglicher Art auf dreifachem Level stabil liegen – das ist immer noch der IRA der Biden-Administration, über den Trump zwar viel pöbelt, den er aber hübsch weiter wirken lässt.

Dazu sagen die nationalen Ökonomietheoreme, dass Schulden ganz böse, Sparen ganz klug ist, dass die Amis ohnehin alles nur auf Pump machen und die nächste Blase züchten. In der Folge liegen die Gesamtinvestitionen des Privatsektors in den USA immer noch knapp 80% über den 2019ern, während die in Deutschland immer weiter sinken.

Mag übrigens sein, dass die Chinesen „Überkapazitäten“ züchten und so mancher KI-Investor sein Geld verliert. Das wird die deutschen Sparschweinchen dann zu „siehste“-Kommentaren bewegen und die Seele beruhigen.

Leider übersehend, dass diese immensen Infrastrukturen, Datacenter, Fabriken sowie deren Output an modernsten Produkten der Chinesen und Amerikaner einfach weiter existieren und auch laufen.

So wie Apple, Google, Amazon, Microsoft in der „Internet-Krise“ bei der großen Blase, dem Crash, der vielen Fehlinvestitionen und Überkapazitäten irgendwie gar nicht soooo schlecht raus gekommen sind. Woanders, versteht sich. Wir sparen uns das bekanntlich. Dafür arbeiten wir mehr. Vielleicht bauen wir Hochleistungschips mit Handfeilen aus Siliziumblöcken und Verbrenner in Manufakturen, damit Arbeit wieder lohnt – das wäre jedenfalls konsequent.

China’s AI Power Play: Cheap Electricity From World’s Biggest Grid

Massive Debt-Fueled Deals, From Warner to Electronic Arts, Are Back on Wall Street

What Happened When Small-Town America Became Data Center, U.S.A.

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