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CoroNews 11.07.2020

Nationale Daten über die Covid-19 Entwicklung in den USA sind inzwischen eigentlich überholt, da das Geschehen regional in weitgehend unterschiedlichen Stadien verläuft. Insofern sind die beigefügten Kurven leider nur als Spitze des Eisbergs, derzeit dominiert von den südlichen Staaten um Florida bis Texas, zu sehen. Es ist erschreckend, wie sehr diese Regionen inzwischen sogar die Aggregation aller Daten auf nationaler Ebene überragen. Leider wird das von mir bevorzugte Oxford-Modell nicht für regionale Entwicklungen veröffentlicht, daher kann ich nur diese Darstellungen nutzen.

Ich kann mich nur wundern, warum in den letzten Wochen Meldungen, die Infektionen stiegen zwar an, die Todesfälle aber nicht nebst allen möglichen irrsinnigen Interpretationen, die Runde machten. Sogar seriöse Quellen aus der Finanzszene hatten das aufgegriffen. Mal hieß es, nun laufe das Virus durch jüngere Bevölkerungsgruppen (was anfänglich immer so war), mal hieß es, es sei entweder schon immer harmlos oder das sei es jetzt (was nie stimmte), zuletzt hieß es, die steigenden Zahlen beruhten auf steigenden Testkapazitäten (was auch nie stimmte).

Tatsache ist, dass wir hier dieselbe (simple) Mathematik am Werk sehen, die sich immer schon eingestellt hat, wenn Sorglosigkeit, Verharmlosung und Verdrängung wesentliche Bestandteile der Politik und der Verhaltensweise der Bevölkerung waren. Wir sehen seit einigen Wochen sehr präzise die Replikation der Entwicklung aus den touristischen Regionen Norditaliens und Österreichs: Primär Jüngere, fleißig unterstützt durch Verharmlosungspolitik, stürzen sich sorglos und – inzwischen – rücksichtslos in ihr Freizeitleben, infizieren sich rasend schnell in siebenstelliger Höhe und tragen das Virus danach mit einer Verzögerung von einigen Wochen in die Gesamtbevölkerung.

Aufgrund von Inkubationszeiten, anfänglich sich aufbauenden Krankheitsverläufen, Verzögerung bis zur Infektion der Gesamtbevölkerung und dann Hospitalisierung bei schwereren Verläufen dauert es einige Wochen, bis die volle Wucht des Dramas sichtbar wird. Aktuell sind wir vor allem in der Phase steigender Hospitalisierungen, aber auch die Kurve der Sterbefälle, die zuletzt reagiert und bisher über Wochen gesunken ist, hat nun bereits gedreht.

Das ist der Anfang, leider ist es nicht mehr vermeidbar, dass die Sterbefälle bald sehr steil wieder den Verlauf der ersten Phase aufnehmen werden. Wenn man die Trends bei den Infektionen vergleicht, wären sogar weit höhere Sterbezahlen zu erwarten. Das muss aber nicht sein, denn es gibt einen kleinen Hoffnungswert: Aufgrund der stark gesteigerten Testmenge ist die Dunkelziffer jetzt sehr wahrscheinlich deutlich geringer als im März, der Vergleich der Kurven also nicht direkt möglich. Das ist übrigens der Effekt einer steigenden Testmenge – alle anderen Interpretationen sind purer Unfug.

Best Case führt eine steigende Testmenge natürlich dazu, schnellere und effektivere Eindämmungsmaßnahmen zu verhängen. Das war in den USA bisher kein Thema und jetzt ist es für diese vollkommen überflüssige „Sommer-Welle“ dafür auch schon zu spät. Ob die republikanischen Gouverneure und deren irrlichternder Präsident das im Herbst besser machen?

Das hängt auch von der Öffentlichkeit in den USA und deren Reaktion auf die bald kommenden Bilder aus den Intensivstationen ab. Da parallel die massiven Finanzhilfen der FED und der Trump-Regierung den Absturz der Wirtschaft allenfalls verlangsamt aber keinesfalls verhindert haben, wird die Welle der Sterbefälle auf anhaltend hohe Zahlen an Arbeitslosigkeit und bald auch an Insolvenzen treffen. Das könnte auch die Fähigkeit eines Trump, alles negative als Fakenews abzutun oder als good News zu verkaufen, übersteigen.

Traurig und überflüssig ist das Drama trotzdem.

 

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