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Die Testmenge ist nicht die Erklärung für exponentiell steigende Zahlen

Das Argument, die steigende Testmenge führe „automatisch“ zu steigenden Zahlen und verfälsche damit den Eindruck, galt seit der ersten „Wodarg“-Irrlichterwelle eigentlich als erledigt. Es sieht so aus, dass die zweite Irrlichterwelle von Trump das wiederbelebt. Wer mehr testet, findet mehr, ist ja klar, alles so einfach zu erklären?

Eine ebenso einfache Überlegung, wie dämlich diese einfache Überlegung ist: Der Test selbst ist nicht infektiös, darauf kann man sich vielleicht sogar als Aluhut einlassen? Also muss ein getesteter sich „woanders“ infiziert haben. Egal, wie viele ich teste. Soweit ok? Noch nachvollziehbar?

Jetzt wird´s schwierig: Aufgrund des Krankheitsverlaufs (Inkubationszeit etc.) ist die getestete Infektion ein paar Tage oder maximal zwei Wochen her, wenn wir von sehr schweren Fällen mal absehen, die wochenlang im Krankenhaus liegen, die aber bei der Aufnahme und nicht mehr im Intensivbett getestet werden. Auch ok, oder?

Jetzt wird´s ganz hart: Nehmen wir an, wir testen von einem Tag auf den anderen gleich 10x mehr! Boah, so eine Fälschung! Klar, dass wir dann viel mehr Fälle finden, ist doch logo! Die waren aber auch am Tag vorher schon da, die haben wir nur nicht gefunden. Alles nur Fake!

Jetzt wird´s noch härter, denn die Fake-Merkel ordnet an, am folgenden Tag gleich noch mal die Testmenge zu verzehnfachen!! Die lässt nicht locker mit ihrem Betrug, klar, dann finden wir noch viel mehr „eh schon da“ Infektionen. Und so weiter und so weiter.

Nun, liebe Aluhüte, solltet ihr Recht haben und die waren alle schon da, dann sollten wir aber erst recht in Deckung gehen, denn dann muss am Anfang geradezu eine Explosion an Infektionen passiert sein und das Virus ist offensichtlich von Merkels Leuten total verharmlost worden!

Etwas leichter ausgedrückt: Positive Testungen können zeitlich in der Tat nur ungenau dem Infektionszeitpunkt zugeordnet werden. Das ist von der Testmenge aber vollkommen unabhängig. Aufgrund von Inkubationszeiten und Infektionsdauer ist die mögliche zeitliche Verschiebung aber begrenzt, das ist der entscheidende Punkt, den eure Wodargs einfach nicht beachten.

Wenn man in einem Zeitraum daher mehr Fälle findet, egal wie viel man testet, dann hat es steigende Infektionszahlen gegeben. Solche Verschiebeeffekte sind normal und können mit verschiedensten statistischen Verfahren sehr gut reguliert werden. Die besseren Quellen haben das im Griff und denen darf man durchaus ein realistisches Bild zutrauen.

Je mehr man aber der Aluhut-These folgt, die Infektionen seien ohnehin alle schon da gewesen, desto mehr argumentiert man faktisch für das Gegenteil dessen, was man eigentlich gerne behaupten möchte: Das bedeutet nämlich rein mathematisch, dass die tatsächliche Ausbreitung der Krankheit in weitaus steileren Sprüngen stattfinden würde, als wir sie derzeit sehen.

Also liebe Alus, glaubt lieber den epidemiologisch korrekt geglätteten Kurven, die sind viel harmloser als das Zeugs, das eure Wordargtrumps gerne hätten.

 

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