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Wieder mal fordert ein FDP-Politiker eine „Exit-Strategie“

Als der damalige FDP-Generalsekretär Volker Wissing kurz vor dem dramatischen Anstieg der klinischen Belastung durch die Delta-Welle twitterte, die Lage in den Krankenhäusern sei entspannt, löschte er seinen Tweet kurz danach. Er hatte wohl genug Hinweise erhalten, das sei vom Timing nicht mehr so ganz geschickt. Hindert seinen designierten Nachfolger Djir-Sarai nicht, letztlich dieselbe Dummheit heute zu äußern.
Ob diese Politiker pandemisch dumm sind oder im Gegenteil sehr klug, ihre Anhänger genau dann mit Dummheiten zu versorgen, wenn die Lage das gerade mal wieder ohne rot zu werden, erlaubt, dürfte im Einzelfall sehr unterschiedlich sein. Dass man aber vor dem – unbekannten – Höhepunkt der Welle über einen Ausstieg aus den Maßnahmen sprechen müsse, ist schon eine ganz besondere Logik. Schließlich räumt er selbst ein, nicht zu wissen, was noch kommen wird, aber über das Ende müsse man bereits jetzt reden. Anhänger solcher Botschaften sollten das sehr genau wahrnehmen: Seht her, ich weiß nicht, wovon ich rede, aber genau das wollt ihr hören.
Der mit solchen Statements fast immer verbundenen Forderung nach einer „Exit-Strategie“ kann man sich natürlich nur anschließen. Wir wissen inzwischen aber, dass es nur einen Weg gibt, diesem „unzumutbaren“ biologischen Prozess zeitnah etwas willentliches entgegen zu setzen: Eine hohe Impfquote. Dazu leisten diese Politiker leider keinen Beitrag. Folgen dem zu viele, hören wir dergleichen im nächsten Herbst leider wieder. Es wäre naiv anzunehmen, mit bis zu einem Viertel unter uns, die ihr Immunsystem unbedingt durch Infektionen trainieren wollen, bis dahin durch zu sein. Das wird mehrere Trainingsrunden erfordern und mit einigen Millionen Probanden ist das leider ein Massenphänomen, welches zu große Belastungen und Kollateralschäden im Gesundheitswesen erzeugt, um als Gesellschaft an der Seitenlinie zu stehen und zu sagen: Dann trainiert ihr mal, wir schauen zu.
Natürlich wird die Mixtur aus Impfungen und Re-Infektionen auch bei uns irgendwann zu einer Immunität führen, die einen Verzicht auf Maßnahmen erlaubt. Vielleicht sind Länder wie UK und Dänemark schon da, solche wie Israel und die USA sind es nicht. Deutschland ist ebenfalls nicht so weit und wenn sich an den festgefahrenen Meinungslagern nichts ändert, wird das mit einer einzigen Omicron-Welle auch nicht erledigt sein. Die „natürliche Immunität“ ist kein Schnellkurs, da hilft auch keine Hetze über die vergängliche Wirkung von Impfungen.
Das wird aber an der festgefahrenen Debatte nichts ändern. Die klugen Strategen unter den Politikern dürften sogar wissen, dass sie ihre Anhänger nur lange genug mit diesen Narrativen versorgen müssen, bis die irgendwann tatsächlich mal stimmen. Man muss nur in den biologischen Zwischenphasen etwas lauter werden und die traurigen Höhepunkte mit ausreichendem Bedauern begleiten, den eigenen Beitrag dazu selbstverständlich ignorierend.
So wird diese Pandemie enden, später und schädlicher als nötig, aber alle werden Recht behalten. Diese Meinungslager werden die Pandemie überdauern, wenn die Biologie nicht etwas noch lehrreicheres mit uns vor hat. Wäre es nicht so folgenreich, müsste man es sich fast wünschen.

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