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Wir sollten mehr auf die Anleihe- als auf die Aktienmärkte schauen

Die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten sind nichts gegen das, was sich an den weitaus größeren Anleihemärkten abspielt. Der Zinsanstieg ist absolut zwar nicht sehr groß, aber relativ ist er gewaltig. Je nach Laufzeit haben sich die Zinsen teilweise mehr als verdreifacht. Das Problem dabei: Wenn die Zinsen fallen, sinken zwar die Erträge für neue Anlagen, aber der Wert von Anleihebeständen steigt. Das führt bei Banken und Versicherern zu einem starken Vermögenszuwachs, der die sinkenden Erträge von Neuanlagen sehr lange kompensieren kann. Wenn die Zinsen aber steigen, ist das genau umgekehrt: Dann werden Neuanlagen zwar rentierlicher, aber die Bestände werten kräftig ab. Je langfristiger angelegt wurde, desto heftiger fällt das aus. Das Chart zeigt zugegeben ein extremes Beispiel, eine Staatsanleihe mit Restlaufzeit von knapp 65 Jahren. Die hat fast 55% an Wert verloren.
Es ist zu befürchten, dass viele an den Kapitalmärkten durch diesen raschen Zinsanstieg überrascht wurden. Wer auf eine Fortsetzung der Niedrigzinsphase gesetzt hatte, dürfte Bestände mit längeren Laufzeiten halten. Das kann nun üble Folgen für die Bilanz haben. Wir werden in den kommenden Monaten bei Banken, Versicherern und darauf spezialisierten Fonds sowie Hedgefonds einige schlechte Nachrichten hören.
Wer klug war, hat um die Finanzindustrie und solche Anlageformen ohnehin seit 2008 einen Bogen gemacht. Ansonsten würde ich empfehlen, das jetzt nachzuholen.
Wir alle können nur hoffen, dass sich hier keine ganz großen Adressen verzockt haben. Sonst kommt noch ein auflodern der ohnehin schwelenden Finanzkrise hinzu.

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